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11. Mai 2020
Redaktion

Trend umgesetzt

THOMAS SCHMIDT

 

Sophia Eggs aus Brexbach wurde im Jahr 2019 mit einem modischen Wendepaillettenschuh Zweitplatzierte im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“. 

Während der Leistungswettbewerb für alle Handwerke offen steht, werden im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten" seit 1989 jährlich Preisträger in den rund 40 gestalterischen Handwerksberufen ermittelt.
Foto: Sophia Eggs

Rund 150 junge Gesellinnen und Gesellen nehmen jährlich an der „Guten Form“ teil. Wie kam es zur Teilnahme von Sophia Eggs an dem Wettbewerb? „Ich habe während meiner Berufsschulzeit an der Paul-Ehrlich-Schule in Frankfurt durch meine Lehrer Katja Streckhardt und Holger Keiling von dem Wettbewerb erfahren und war direkt begeistert. Über die Aufgabenstellung hatte ich mir gar keine Gedanken gemacht“. Das Hauptziel von Sophia Eggs war, eine gute Prüfung abzulegen und – wenn es klappt – die Note 2 für den Schuh zu bekommen. Es klappte, und damit hatte sie die Chance am Wettbewerb teilzunehmen – was sie mit Stolz erfüllte.

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Mit trendigen Wendepailletten in grün wurde Sophia Eggs Zweitplatzierte im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“. Foto: Fuß-Orthopädie-Technik Roman Eggs GmbHWendepailletten in grün
„Unsere Lehrerin Katja Streckhardt hat immer gesagt, dass orthopädische Schuhe nicht ,schwarz, schlicht, schei…e‘ aussehen müssen und das habe ich mir zu Herzen genommen“, beschreibt sie die Auswahl ihrer Schuhe. Letztes Jahr seien Wendepailletten voll im Trend gewesen und auch sie sei von diesen begeistert gewesen. „Da hab ich mich gefragt, ob es nicht möglich wäre, sie bei einem Schuh zu verarbeiten. Also bin ich mit diversen Ledersorten und Wendepailletten in meiner Lieblingsfarbe grün zu unserem Schäftemacher Henry Brill nach Konz gefahren und habe mit ihm und seinem Team meine Idee besprochen. Zusammen ist dann dieser tolle Schaft entstanden“, beschreibt Sophia Eggs die Entstehungsgeschichte. Die Herausforderung stellten zum einen die Wendepailletten dar. Um diese nämlich vor eventuellen Klebetropfen zu schützen, wurde Frischhaltefolie vor die Pailletten gespannt und vernäht. Diese musste dann nach Fertigstellung des Schuhs vorsichtig wieder herausgetrennt werden. Die andere Herausforderung lag in der Spitzfußversorgung. Eine Seite war dadurch so hoch, dass es dort schwierig war, die Falten richtig zu verteilen.
Alle Dämme gebrochen
Nach der bestandenen Gesellenprüfung kann sich Sophia Eggs nicht mehr an viel erinnern: „Da sind bei mir alle Dämme gebrochen und der ganze Druck, den man sich selbst macht, ist abgefallen.“ Sie hatte auch nicht gedacht, dass die Teilnahme an „Die gute Form im Handwerk“ solche Folgen hat: „Ich habe ja einfach mitgemacht mit der Intention „Mal schauen was die so meinen“. Als dann der Brief kam, dass sie den zweiten Platz belegt habe, sei sie aus dem Rumhüpfen gar nicht mehr rausgekommen, beschreibt sie ihre Freude über ihren Erfolg. Vor allem die Verleihung der Urkunde auf der Festveranstaltung der Handwerkskammer des Saarlandes, bei der Sophia Eggs und die beiden anderen Bundessieger noch ein Interview für den Imagefilm der HWK gegeben haben, hat sie sehr begeistert. „Morgens an dem Tag war noch ein Team des SR-Fernsehens bei uns in der Firma und hat einen Bericht gedreht. Das war für alle ganz schön aufregend“, blickt sie auf diesen Tag zurück.
Die unterschiedlichen Höhen der Spitzfußversorgung waren eine Herausforderung beim Anbringen der Pailletten. Foto: C. Maurer FachmedienWette verloren
„Mein Vater hätte – glaube ich – alles darauf verwettet, dass ich niemals diesen Beruf erlerne. Denn als ich klein war habe ich immer gesagt: „Iiiih Papa, das ist schon eklig, so mit Füßen und so”, erzählt Sophia Eggs, „aber als ich im Rahmen meiner FOS kurzfristig einen neuen Praktikumsplatz brauchte, bin ich zu ihm in die Werkstatt und habe den Beruf kennen und lieben gelernt“. Gerade die Vielzahl an unterschiedlichen Aufgabenbereichen habe sie fasziniert: Dass man sich dreckig machen und mit Menschen zu tun hat und diesen auch helfen kann – aber auch die Möglichkeit, im kaufmännischen Bereich zu arbeiten: „Was gibt es schöneres, als wenn jemand mit Tränen in den Augen vor einem steht und sich bedankt, weil er wieder ohne Schmerzen laufen kann?“, fragt sie. Im September 2015 hatte Sophia Eggs deshalb die Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin im elterlichen Betrieb in Bexbach begonnen und im Januar 2019 erfolgreich abgeschlossen. Wäre das Corona-Virus nicht dazwischen gekommen, würde sie mittlerweile den Meisterkurs am B.O.S.S. in Langen absolvieren – aber das soll nun im Oktober angegangen werden.
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Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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