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1. Februar 2023
Redaktion
Dysfunktion der Tibialis-posterior-Sehne

Schuhtechnische Versorgung mit orthopädischer Zurichtung

Eine Schädigung der Sehne des M. tibialis posterior führt häufig zu Fehlstellungen und Deformitäten, vom Knick-Senk-Fuß bis hin zum Plattfuß. Bei leichten und mittelschweren Deformitäten versorgen wir die Patienten in unserem Betrieb in Australien nicht mit orthopädischen Maßschuhen, sondern mit Einlagen und einer speziellen Schuhzurichtung, dem sogenannten Buttress.

Von Markus Kerkering
Foto: Markus Kerkering
Konfektionsschuh mit Markierung für den Buttress.

Die Dysfunktion der Sehne des M. tibialis posterior (PTTD) ist eine der häufigsten Ursachen für den im Erwachsenenalter erworbenen Plattfuß. Es handelt sich hierbei um eine Schädigung der Tibialis-posterior-Sehne im Bereich des Fußinnenknӧchels, die von der Sehnenscheidenentzündung bis hin zum kompletten Riss reichen kann. Sie äußert sich durch Schmerzen, die vom Innenknӧchel in den ganzen Fuß ausstrahlen können, und eine Deformität, welche verschiedene Ausprägungen von einem leichten Knick-Senkfuß bis hin zum Plattfuß haben kann.

Ursachen hierfür können eine Fehl- und Überbelastung sowie Übergewicht oder auch Hypertonie sein. Laut dem Orthopӓdiezentrum Arabellapark in München sind Frauen dreimal häufiger betroffen als Männer.

Fallbeispiel

Foto: Markus Kerkering
1 Plantare Ansicht des rechten Fußes.

Zu versorgen war eine 91-jährige Kundin mit einem diagnostizierten Plattfuß auf Grund von PTTD (Abb.1).

Bei stark ausgeprägten Deformitäten versorgen wir Patienten mit PTTD in unserem Betrieb mit orthopädischen Maßschuhen. Bei leichten und mittelschweren Deformitäten wählen wir hingegen häufig eine Einlage in Kombination mit einer Schuhzurichtung, die in Deutschland eher unbekannt ist, in Australien aber häufig eingesetzt wird: den sogenannten Buttress. Dabei wird der Schuh medial versteift und die Sohle verbreitert, um eine höhere Stützwirkung zu erzielen. Die meisten Konfektionsschuhe sind für diese Zurichtung geeignet.

Foto: Markus Kerkering
2 Trittspur beider Füße.

Bei der hier vorgestellten Patientin entschieden wir uns für eine solche Einlagenversorgung mit Buttress. Auf Basis eines Blauabdrucks (Abb. 2) und eines Trittschaums fertigte ich eine Einlage an, welche den Fuß sowohl im Quer- als auch im Lӓngsgewӧlbe unterstützt. Im Lӓngsgewӧlbe mussten zwei Aussparungen eingearbeitet werden, da dort die Knochen sehr prominent und druckempfindlich sind (Abb. 3).Um mit dem Buttress zu beginnen, zeichnete ich mir erst die genaue Grӧße an und ermittelte anhand des Blauabdrucks, wie weit der Schuh ausgebaut werden muss (Abb. 4). Anschließend wurden die Materialien vorbereitet. Im ersten Schritt wurde das Aufbaumaterial von außen auf den Schuh aufgeklebt (Abb. 5). Hierbei musste darauf geachtet werden, dass der Schaft im Bereich der knӧchernen Prominenzen ausgedrückt wird, um diesen genügend Platz zu geben und um durch das von außen angeklebte EVA keinen Druck zu erzeugen. Der Vorgang wurde mehrfach wiederholt, so dass mein Buttress eine Stärke von zirka 3 cm hatte.

Foto: Markus Kerkering
3 Einlagenversorgung mit Aussparung im Lӓngsgewӧlbe rechts.

Nachdem die gewünschte Stärke erreicht war, wurde das Aufbaumaterial mit Leder abgedeckt, um den Schuh so originalgetreu wie möglich aussehen zu lassen. Anschließend wurde die Verschalung angezeichnet und aufgeklebt (Abb. 6). Zum Abschluss wurde die Verschalung gefräst, alles mit einer Sohle versehen und ausgeputzt (Abb. 7).

Der Buttress im Vergleich zum Maßschuh

Foto: Markus Kerkering
5 Aufbau des Buttress.
Foto: Markus Kerkering
4 Konfektionsschuh mit Markierung für den Buttress.

Bei starken Deformitäten ist und bleibt der orthopädische Maßschuh aus unserer Sicht die beste und in jedem Fall zu bevorzugende Wahl durch seine individuelleren Versorgungsmöglichkeiten. Bei leichten oder mittelschweren Deformitäten erzielen wir mit Einlagen und Buttress jedoch sehr gute Ergebnisse. Die Compliance der Kunden ist beim Buttress in der Regel sehr viel höher als beim Maßschuh, da sich der ursprüngliche Schuh optisch sehr gut nachbauen lässt und der zugerichtete Schuh ein geringeres Gewicht als der Maßschuh aufweist. Vom Kosten- und Zeitaufwand unterscheiden sich Maßschuh und Buttress stark: Während wir für den orthopädischen Maßschuh 25 Stunden (samt Beratung und Kundenkontakt) veranschlagen, rechnen wir für den Buttress je nach Aufwand 4 bis 6 Stunden.

Foto: Markus Kerkering
6 Markierung für die Verschalung.
Foto: Markus Kerkering
7 Fertiger Buttress. Alle Fotos: Markus Kerkering

Die hier vorgestellte Patientin konnte mit Einlage und Buttress gut versorgt werden und erhielt durch die Versorgung eine höhere Stabilität des Fußes beim Gehen und Stehen.

Anschrift des Verfassers:
Markus Kerkering
1/12 Regina Avenue
2100 Brookvale NSW
Australien

Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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