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16. Januar 2019
Redaktion

Elegant zum Sieg

CHRISTINA BAUMGARTNER


Eine anspruchsvolle Kundin mit einem Spitz-Klumpfuß wünschte sich einen auffallenden, eleganten ortho­pädischen Maßschuh. Felix Schomacher fertigte daraufhin einen roten Chelsea Boot an, mit dem er erster Bundessieger beim Praktischen Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) wurde.

Foto: PLW

Ich hatte die Intention, einen Schuh zu bauen, den es so noch nicht gibt und das Projekt mit bestmöglicher handwerklicher Qualität umzusetzen“, erzählt ­Felix Schomacher. Und dieses Vorhaben ist dem 22-Jährigen aus Wadersloh offensichtlich sehr gut gelungen.

Mit seinen Schuhen, einer Spitz-Klumpfußversorgung mit Verkür­zungsausgleich von etwa fünf Zentimetern mit lateraler Knöchelkappe rechts und Lederboden mit lateralem Flügelabsatz rechts, wurde er erster Bundessieger beim Praktischen Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) und zweiter Preisträger im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“ (GF).{pborder}

Elegantes rotes Nappaleder

„Schnell war klar, dass die Kundin, eine sehr modebewusste Innenarchitektin, sich einen prägnanten, auffallenden und eleganten Schuh wünscht“, meint Felix Schomacher. In seinem Ausbildungsbetrieb, Orthopädieschuhtechnik Böcker in Ahaus, entwickelte der 22-Jährige daraufhin eine fachgerechte Versorgung, die gleichzeitig die ästhetischen Ansprüche der Kundin erfüllen sollte.

Ein Schuh ganz in Rot sollte es werden: Beim Schaft fiel die Wahl deshalb auf ein elegantes rotes Nappaleder für Blatt und Quartier. Dazu zieren den Chelsea Boot ein schwarz-rot-gestreifter „Double-Strap“ und eine schwarz-graue Schlaufe am hinteren oberen Schaftabschluss. Das Zebramuster des „Double-Strap“ wiederholt sich im Bodendesign, die Lauf­sohle versah der junge Orthopädieschuhmacher mit seiner Signatur.

Eine schwarze Zwischensohle als Kontrast

„Ich fand, dass zu dem dunkelroten Schaft ein Boden mit Naturausputz perfekt passt“, erzählt Schomacher. Im Vorfußbereich verbaute er eine rote Zwischensohle, als Kontrast dazu eine schwarze im Bereich des Ab­satzes und rote Schichten zwischen den einzelnen Blockabsatzschichten. Darauf abgestimmt finden sich im Boden rote Gumminoppen wieder.

Freuten sich gemeinsam über den Erfolg: Felix Schomacher (Mitte), dessen Vater Christoph (r.) und Ausbilder Christoph Böcker (l.), die beide ebenfalls schon Bundessieger beim PLW waren
Freuten sich gemeinsam über den Erfolg:
Felix Schomacher (Mitte), dessen Vater Christoph (r.) und
Ausbilder Christoph Böcker (l.), die beide ebenfalls
schon Bundessieger beim PLW waren

Ein Reißverschluss für den komfortablen Einstieg

Die Kundin sei von dem Vorschlag einer Chelsea-
Boot-Optik begeistert gewesen. Da der Einstieg allein durch die vorhandenen Gummizüge in ihrem Fall aber nicht möglich war – unter anderem weil sie aufgrund ihrer Deformität eine hohe laterale Knöchelkappe benötigte und die Gummizüge deshalb nicht allzu weit in den Schaft hineinragen durften – entschied sich Felix Schomacher nach einigen Überlegungen für ein Reißverschlusssystem. Darüber brachte er auf dem Fußrücken den „Double-Strap“ an – hauptsächlich aus optischen Gründen und weniger wegen einer zusätzlichen Fixierung des Fußes im Schuh.

Reihenfolge und Kombination entscheidend

Besonders viel Zeit habe die Entwicklung des Bodenbaus in Anspruch genommen. Das Muster des Leders wurde gescannt und mit einem Fotoprogramm bearbeitet, um es mithilfe des Transferverfahrens auf den Boden zu übertragen. „Ich testete zunächst, von welcher Seite die Lederlaufsohle gestanzt werden soll, wie eine so große Lederfläche sauber bedruckt werden kann, welches Transfermaterial und welche Transferfarbe ich verwende und wie ich die Farbe gleichmäßig auf die Sohle übertragen kann“, meint Felix Schomacher.

„Dann musste ich eine Lösung finden, wie ich meine Lederlaufsohle mit nun gestanzten Löchern sauber beizen und anschließend auch polieren kann, ohne dass mein Transferdruck beschädigt wird. Die Kunst war es, die richtige Kombination und Reihenfolge der Verfahren zu entwickeln“. Der Geselle ist stolz darauf, dass er den Schuh nach seinen eigenen Vorstellungen und den Wünschen der Kundin umsetzen konnte:  „Ich mag das Gesamtbild des Schuhs. Er ist exklusiv und sticht ins Auge“.

Ursprünglich war Maschinenbaustudium geplant

Seit Ende Januar 2018 ist Felix Schomacher nun mit seiner Ausbildung fertig und inzwischen im Betrieb seines Vaters, Orthopädieschuhtechnik Schomacher, in Wadersloh und Oelde tätig. Mit seiner Berufswahl ist der 22-Jährige heute sehr glücklich – obwohl er ursprünglich einmal den Wunsch hatte, Maschinenbau zu studieren.

„In der Orthopädieschuhtechnik geht es für mich darum, Menschen mehr Lebensqualität und Wohlbefinden zu geben“, so Schomacher. „Ich bin technisch, handwerklich und naturwissenschaftlich interessiert. Die Orthopädieschuhtechnik kombiniert das super, auch deshalb, weil wir immer mehr moderne Technologien nutzen, wie zum Beispiel die CNC-Frästechnik oder den 3D-Druck“.

Ein unvergessliches Erlebnis

Bei der Bundessiegerehrung in Berlin am 1. Dezember 2018 waren neben Felix Schomachers Familie auch die engsten Freunde und der Ausbildungsbetrieb mit dabei. Ein unvergessliches Erlebnis für den 22-Jährigen:  „Wir hatten einen fantastischen Tag und haben ausgiebig gefeiert – die ganze Nacht durch bis in den Morgen. Ich werde das niemals vergessen.“ Es sei ein sehr motivierender Tag voller Dankbarkeit und Stolz gewesen.

„Es war interessant, mich mit anderen Bundessiegern auszutauschen und ihren Geschichten zuzuhören“, erzählt Schomacher, für den 2019 nun erst einmal die Meistervorbereitungskurse Teil 1 und 2 in Hannover und ein Jahr später dann die Prüfung ansteht. Für die Zeit nach der Meisterprüfung plant er, in anderen Unternehmen weitere Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln, bevor er anschließend wieder in den Familienbetrieb zurückkehrt.

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Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
Schuhsohle
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