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6. März 2023
Christina Baumgartner
PLW

Ein Halbschuh als „Hingucker“

Katharina Stark fertigte für einen Patienten mit einer Beinlängendifferenz ein Paar schicke Halbschuhe an. Mit ihrem Gesellenstück konnte sie auch im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) überzeugen: Die 22-Jährige wurde als dritte Bundessiegerin ausgezeichnet.
Foto: Werne Orthopädie-Schuhtechnik GmbH
Für ihr Gesellenstück wurde ­Katharina Stark mit dem dritten Platz im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) ausgezeichnet.

Katharina Stark fertigte für einen Patienten mit einer Beinlängendifferenz ein Paar schicke Halbschuhe an. Mit ihrem Gesellenstück konnte sie auch im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) überzeugen: Die 22-Jährige wurde als dritte Bundessiegerin ausgezeichnet.

Foto: Werne Orthopädie-Schuhtechnik GmbH
Katharina Stark arbeitet bei der Werne Orthopädie-Schuhtechnik GmbH in Waldshut-Tiengen. Dort ist die Gesellin in der Werkstatt und der Kundenberatung tätig.

Die Kombination aus Handwerk, Kundenkontakt und Kreativität hat mich überzeugt, mich für diesen Beruf zu entscheiden“, erzählt Katharina Stark, die ihre Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin im Sommer 2022 abgeschlossen hat. Ihr Gesellenstück fertigte sie für einen Patienten an, der im Kindesalter eine einseitige traumatische Schienbeinfraktur erlitten hatte. Der Schuh gleicht nun eine Beinlängendifferenz von sechs Zentimetern aus. Dabei sei ihr wichtig gewesen, dass Funktion und Optik zusammenspielen. „Die Funktion muss immer Priorität haben“, sagt die 22-Jährige. „Dennoch war das Ziel, dass der Schuh trotz der großen Beinlängendifferenz ein Hingucker wird, um den der Patient sogar von Konfektionsschuhträgern beneidet wird“.

Ein Halbschuh mit Oxford-Schnürung

Für den Patienten fertigte die Orthopädieschuhmacherin ein Paar Straßenhalbschuhe aus blauem und braunen Glattleder mit Oxford-Schnürung, braunen Nähten und einem Boden aus Leder und Gummi an. Aus optischen Gründen glich sie den Verkürzungsausgleich an der Bettung im Schuh aus. Die Hinterkappen (links eine Verkürzungskappe und rechts eine Normalkappe) fertigte sie jeweils aus Leder an – ohne Verstärkung. Die Schuhe sind zudem mit einer thermoplastischen Vorderkappe aus Tepp II ausgestattet. Als Verbindung zwischen Vorder- und Hinterkappe wurden Überstemmen aus Leder verwendet. Die Überstemmen sollten dabei die Vorderkappe und Hinterkappe jeweils zirka einen Zentimeter überlappen. „Dabei war zu beachten, dass sie aus einem dünnen und in der Zugrichtung nachgebenden Leder ausgeschnitten werden mussten“, erklärt Katharina Stark. Die Narbenseite wurde aufgeraut, um Quietschgeräusche im Schuh zu vermeiden.

Bodenbau – der Ablauf

Foto: Werne Orthopädie-Schuhtechnik GmbH
Für den Halbschuh mit Oxford-Schnürung wurde blaues und braunes Glattleder verwendet.

Beim Bodenbau kombinierte Katharina Stark Leder und Gummi – die Schuhe erhielten einen Leder-/Gummi-Boden mit geradem Absatz. Nach dem Umziehen eines Lederrahmens verklebte sie eine lange Lederuntersohle. „Als Laufsohle habe ich eine vier Millimeter dicke Gummilaufsohle durchgehend aufgesohlt“, beschreibt die Orthopädieschuhmacherin den Ablauf. Die Absatzlängen wurden danach angezeichnet und das Profil bis zur Absatzfront jeweils weggeschliffen. Im nächsten Schritt schliff, beizte und polierte sie die Front der beiden vorbereiteten Lederblockabsätze, die anschließend aufgeraut, aufgeklebt und seitlich jeweils geschliffen wurden. Mithilfe des vorbereiteten Absatzflecks konnte sie die Absätze „auf Stand“ und die richtige Absatzhöhe schleifen. Die Absatzflecke wurden aufgeklebt. Anschließend folgten die letzten handwerklichen Feinarbeiten: Der Ausputz des Bodens, der geschliffen, gebeizt, gewachst und poliert wurde.

Anspruchsvoller Ausputz

„Besonders stolz bin ich, dass ich den Schuh in der vorgegebenen Prüfungszeit ohne Stress bauen und komplett fertigstellen konnte“, sagt Katharina Stark. „Da heutzutage kaum noch orthopädische Maßschuhe mit Lederböden gefertigt werden, lag die Herausforderung ganz klar beim Ausputz des Lederbodens, den ich besonders beizen und polieren musste“. Nicht ganz optimal sei ihr der Ausputz an der medialen Absatzfront gelungen, findet sie.

„An meinem Beruf fasziniert mich, gehbehinderten oder von Schmerz geplagten Menschen, die Gehfähigkeit mit selbst hergestellten Hilfsmitteln zu erleichtern. Die angefertigten Hilfsmittel an den Patienten zu sehen und deren positive Rückmeldungen zu erhalten, ist immer wieder ein tolles Gefühl“, so die Gesellin, die momentan in der Werkstatt und in der Kundenberatung ihres ehemaligen Ausbildungsbetriebes, der Werne Orthopädie-Schuhtechnik GmbH in Waldshut-Tiengen, arbeitet. Ab Oktober 2023 wird sie zudem den Meisterkurs an der B-O-S-S in Langen besuchen.

Foto: Werne Orthopädieschuhtechnik GmbH
Der Schuh gleicht eine Beinlängendifferenz von sechs Zentimetern aus.
Foto: Werne Orthopädieschuhtechnik GmbH
Die Schuhe erhielten einen Boden aus Leder und Gummi mit geradem Absatz. Als Laufsohle brachte Katharina Stark eine vier Millimeter dicke Gummisohle an. Besonders anspruchsvoll: Der Ausputz des Lederbodens.
Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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