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22. November 2023
Redaktion
BIV-OT

100 Jahre gemeinschaftliche Verantwortung

Erkrankungen, Kriegsverletzungen oder Unfälle – Millionen von Menschen in Deutschland sind auf eine qualitätsgesicherte Versorgung mit Hilfsmitteln angewiesen. Dass sie diese auch künftig erhalten müssen, darüber waren sich Gastgeber und Gäste zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik am 13. November 2023 in Berlin einig.
Foto: Tobias Tanzyna
Petra Menkel, Mitglied des Vorstandes des BIV-OT, und Alf Reuter, Präsident des BIV-OT, schneiden die Jubiläumstorte für rund 200 geladene Gäste an.

„Jeder Mensch in Deutschland hat ein Recht auf eine Regelversorgung und Teilhabe. Damit dieses Recht auch in der Praxis mit Leben gefüllt wird, dafür stehen wir alle hier im Saal gemeinsam in der Verantwortung“, erklärte Alf Reuter, Präsident des gastgebenden Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT) zu Beginn der Feier. „Wie gut uns die Versorgung der Menschen mit medizinischen Hilfsmitteln gelingt, daran werden wir von der Gesellschaft und jedem einzelnen Patienten gemessen.“

Seit der Gründung 1923 stellt sich der Verband des orthopädietechnischen Handwerks der gemeinsamen Verantwortung, streitet für die Rechte der Patienten. Vor 100 Jahren stand die bestmögliche Versorgung von Kriegsversehrten in Zeiten der Hyperinflation im Fokus. Inzwischen liegt der Schwerpunkt auf der Versorgung von Menschen nach Unfällen, Erkrankungen und erneut Kriegsverletzungen.

„Im Mittelpunkt der Arbeit eines Orthopädietechnikers stehen immer die Menschen mit ihren jeweils einzigartigen Bedürfnissen, ihrem individuellen Umfeld und ihren Wünschen und Ängsten. Das verleiht unserem Beruf eine besondere Verantwortung – und seinen einzigartigen Reiz. Es ist zweifellos der schönste Beruf der Welt“, so der Orthopädietechnik-Meister Alf Reuter.

„In den aktuellen Zeiten der Krise, internationaler Unsicherheit und knapper Kassen werden die Spielräume enger. Trotzdem bleiben wir alle in der Verantwortung gegenüber den Menschen“, betonte er. Aktuell setzt sich der BIV-OT für eine nachhaltige Reform der Hilfsmittelversorgung in Deutschland ein. Diese sieht im Kern weniger Bürokratie und mehr Transparenz, mehr Qualität und weniger Ökonomie, Leitverträge statt Ausschreibungen vor. Der BIV-OT vertritt als Spitzenverband aktuell mehr als 4.500 Sanitätshäuser und orthopädie-technische Werkstätten mit über 48.000 Beschäftigten.

Foto: Tobias Tanzyna
Im historischen Spiegelzelt der „Bar jeder Vernunft“ in Berlin und mit Musik der zwanziger Jahre feierte der BIV OT sein 100-jähriges Jubiläum.

Ethische Prinzipien beachten

Im Unterschied zum Gründungsjahr 1923 gebe es aktuell wohl kaum einen Menschen in Deutschland, der noch nicht mit Hilfsmitteln in Berührung gekommen sei. Diese These stellte Andreas Brandhorst, Referatsleiter Hilfsmittelversorgung im Bundesministerium für Gesundheit, in seiner Rede auf. Der demographische Wandel, eine steigende Zahl an chronisch Erkrankten und ein wachsender Anspruch auf Selbstbestimmung und Teilhabe werden die Anzahl der Hilfsmittelversorgungen von jetzt 30 Millionen pro Jahr noch weiter ansteigen lassen, betonte Brandhorst.

„Im Gegenzug wird die Anzahl der Beitragszahler nicht ansteigen“, so der Referatsleiter. „Wir werden ein dickes Brett bohren müssen, um diese Herausforderung gemeinsam zu meistern und dabei gilt es, nicht nur auf die Ökonomie zu achten, sondern ethische Prinzipien zu beachten. Dafür benötigen wir Akteure, die jenseits ihrer eigenen Interessen das Gemeinwohl im Blick haben. Als einen solchen Akteur habe ich den BIV-OT kennen und schätzen gelernt.“

Es liegt an uns allen

Gernot Kiefer, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, ging in seiner Rede auf eine Parallele zwischen den Jahren 1923 und 2023 ein: „Zum Glück gibt es heute keine Hyperinflation wie 1923, aber die letzten Jahre waren dennoch von einer massiven Inflation geprägt. Unser gemeinsames System gibt bisher keine Antwort auf die Herausforderungen der unkalkulierbaren Preissteigerungen. Diese Herausforderungen bieten uns beidseitig die Chance, besser zu werden. Es liegt an uns allen, das hinzubekommen.“ Auch vor diesem Hintergrund sei die Gründung einer bundesweiten Interessenvertretung des orthopädietechnischen Handwerks 1923 ein notwendiger und erfolgreicher Schritt gewesen.

Konservative Orthopädie stärken

Im Namen mehrerer Fachgesellschaften – der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), der Deutschen Gesellschaft für interprofessionelle Hilfsmittelversorgung (DGIHV), der Vereinigung Technische Orthopädie (VTO) und der Initiative `93 Technische Orthopädie – beglückwünschte Prof. Dr. med. oec. Bernd Greitemann, Ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland am RehaKlinikum Bad Rothenfelde, den BIV-OT zum Jubiläum.

„Aktuell vernachlässigen wir in der Facharztausbildung die konservative Orthopädie“, bedauerte Prof. Greitemann mit Blick auf die hohen Operationszahlen im Bereich der Orthopädie in Deutschland. Das müsse sich dringend ändern. „Wir als Mediziner sind heilfroh, dass es die Orthopädie-Technik gibt. Wir brauchen diese dringend“, so der Ärztliche Direktor. „Trotz der derzeitigen Herausforderung, qualifiziertes Personal zu finden, sage ich dem Handwerk eine boomende Zukunft voraus.“

Zurück in die Zukunft

Einen Sprung in die Vergangenheit wagte Klaus Dittmer, Orthopädietechnik-Meister in Berlin und leidenschaftlicher Sammler orthopädietechnischer Hilfsmittel. Er gab vor den knapp 200 geladenen Gästen einen kurzweiligen Abriss zur 100-jährigen Verbandsgeschichte und schloss mit einem Appell: „Meinen jungen Kollegen möchte ich zurufen: Schauen Sie nicht nur auf den Bildschirm! Das Resultat einer zufriedenstellenden Versorgung sehen Sie im Gesicht des Patienten!“

Die Broschüre zu „100 Jahre Hilfe für Menschen – Vom Reichs- zum Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik“ steht zum Download auf der Internetseite des BIV-OT bereit (PDF).

Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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