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13. April 2022
Christina Baumgartner
Ausbildung

In Teilzeit zum Traumberuf

Cathleen Otto absolvierte ihre Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin in Teilzeit – dadurch konnte sie Beruf und Familie besser vereinbaren. Inzwischen ist sie Gesellin und hat bei der Freisprechungsfeier an der Berufsschule in Lübeck-Travemünde eine Rede gehalten, die ein leidenschaftliches Plädoyer für ihren Beruf ist.
Foto: Cathleen Otto
Cathleen Otto an ihrem Arbeitsplatz, bei Wirz Orthopädie Schuh Technik in Paderborn.

Eines wusste Cathleen Otto nach der Geburt ihrer beiden Kinder und dem Ende der Elternzeit ganz genau: An die Uni und in ihr Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Musikwissenschaften wollte sie nicht mehr zurück. Damit war für die Paderbornerin 2018 die Zeit der beruflichen Neuorientierung gekommen. Die Orthopädieschuhtechnik stand zunächst nicht auf ihrer Wunschliste. „Das war Zufall“, erzählt Cathleen Otto, „ich wollte ins Handwerk, hatte aber zunächst an Berufe wie Schreinerin oder Steinmetzin gedacht“. Bis sie in ihrem Heimatort Paderborn auf den Orthopädieschuhtechnikbetrieb von Ingolf Wirz stieß. „Ich habe einfach eine Bewerbung hingeschickt, ohne dass ich über den Beruf des Orthopädieschuhmachers viel wusste“, erinnert sich Cathleen Otto. Nach einem dreiwöchigen Praktikum sei sie dann „Feuer und Flamme“ gewesen. Durch Zufall erfuhr sie in dieser Zeit auch noch, dass bereits ihr Urgroßvater als Schuhmacher tätig war, was ihre Entscheidung für die Ausbildung in der Orthopädieschuhtechnik noch bestärkte.

Flexibilität trotz Ausbildung

Dass die Ausbildung auch in Teilzeit möglich ist, wusste Cathleen Otto zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ihr Chef, Ingolf Wirz, machte sie auf diese Möglichkeit aufmerksam. „Er hat dann auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass das machbar ist“, erzählt Cathleen Otto. Und so konnte die damals 31-Jährige im September 2018 ihre Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin in Teilzeit beginnen. Mit einer täglichen Arbeitszeit von sechs Stunden auf Gleitzeitbasis war die junge Mutter trotz der Ausbildung flexibel. „Rückblickend war das Gold wert, ich würde es jederzeit wieder so machen und kann die Ausbildung in Teilzeit nur weiterempfehlen“, sagt Cathleen Otto. Bei der Wahl der Berufsschule habe sie sich bewusst für den Blockunterricht in Lübeck-Travemünde entschieden – um sich vollständig auf die Theorie konzentrieren und besser Kontakte zu anderen Mitschülern knüpfen zu können.

„Die Liebe zum Handwerk weitergeben“

Auch nach Ende ihrer Ausbildung ist Cathleen Otto bei Wirz Orthopädie Schuh Technik in Paderborn tätig. Auf ihren Wunsch hin auch weiterhin in Teilzeit und mit denselben Arbeitszeiten wie früher. Für sie war der Wechsel in die Orthopädieschuhtechnik die richtige Entscheidung: „Das ist ein wahnsinnig schöner Beruf, dabei bleibe ich“, sagt Cathleen Otto. Derzeit mache sie „rundum alles“ – von Schuhreparaturen über Schuhzurichtungen, Maßschuhe oder den Bettungsbau. Momentan plant sie, noch ein paar Jahre als Gesellin zu arbeiten und Erfahrung zu sammeln. Dann aber – wenn die Kinder, die aktuell sechs und sieben Jahre alt sind, größer sind, möchte Cathleen Otto gerne die Meisterprüfung ablegen, sich selbstständig machen, selbst ausbilden und die „Liebe zum Handwerk weitergeben“.

Foto: Cathleen Otto
Das Gesellenstück von Cathleen Otto.
Rede zur Freisprechung: „Ein Beruf des Herzens“
Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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