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7. November 2018
Redaktion

Frauen in der OST (7): Ein starkes Netz

Im Verband der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) sind deutschlandweit 5000 weibliche Führungskräfte organisiert (wir berichteten in Ausgabe 9/2018). Eine von ihnen ist Simone Holzwarth-Ruml. Die ausgebildete Physiotherapeutin ist seit 2004 Chefin im Betrieb Holzwarth Orthopädieschuhtechnik in Waiblingen.


CHRISTINA BAUMGARTNER

Foto: Holzwarth Orthopädieschuhtechnik

Ob Rechnungswesen, Flachstrickkompressionsversorgung oder die Personal- und Urlaubsplanung: Bei Simone Holzwarth-Ruml im Betrieb Holzwarth Orthopädieschuhtechnik in Waiblingen steht eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Aufgaben auf der To-do-Liste. „Ich bin überall dort, wo jemand fehlt und ich gebraucht werde – Chefin und gleichzeitig Mädchen für alles“, erzählt die 51-Jährige lachend. {pborder}

Eine neue Aufgabe für die Physiotherapeutin

Dabei war gar nicht von Anfang an klar, dass Simone Holzwarth-Ruml einmal in den elterlichen Betrieb einsteigen würde. Nach dem Abitur entschied sie sich zunächst für eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, arbeitete dann 16 Jahre in diesem Beruf. Doch als ihr Mann, Orthopädieschuhmachermeister Harald Ruml, im Jahr 2004 den Betrieb ihres Vaters übernahm, brachte dies auch eine berufliche Veränderung für Simone Holzwarth-Ruml mit sich.

Simone Holzwarth-Ruml schКtzt besonders die Kontakte und den Austausch mit anderen weiblichen Führungskr.ften im Handwerk, die ihr das Netzwerk der UFH bietet
Simone Holzwarth-Ruml schКtzt besonders die Kontakte und den Austausch
mit anderen weiblichen Führungskr.ften im Handwerk, die ihr das Netzwerk
der UFH bietet

{slider=Drei Fragen an Simone Holzwarth-Ruml}

Hat sich die Rolle mitarbeitender Unternehmerfrauen im Handwerk/der Orthopädieschuhtechnik über die Jahre verändert?
Ja, die Rolle mitarbeitender Unternehmerfrauen hat sich sehr verändert. Ich erfahre eine unheimliche Wertschätzung und meine Kolleginnen auch. Frauen haben einfach ein Ohr für die Sorgen und Probleme der Mitarbeiter, fühlen Stimmungen eher und sind empathischer. Jeder weiß, ohne uns läuft es nicht – oder zumindest nicht so gut. Auch die Aufgaben haben sich verändert. Die Verantwortung ist gewachsen, ob bei der Mitarbeiterführung oder der Buchhaltung.

Ist es Ihrer Meinung nach für Frauen heute einfacher als früher, sich als Führungskraft in einem Handwerksbetrieb zu behaupten?
Ganz klar ja. Die Frauen, die heute in führenden Positionen im Handwerk sind, haben alle eine fundierte Ausbildung und da wird auch überhaupt nicht mehr unterschieden. Frauen selbst begreifen sich ja auch anders als noch vor 50 Jahren. Das ist ein ganz anderes Selbstverständnis.

Wie können Frauen für das Handwerk und speziell für die Orthopädieschuhtechnik begeistert werden?
Der soziale Gesichtspunkt ist bedeutend. Wir sind ständig in Kontakt mit den Kunden, die meisten haben Beschwerden oder Schmerzen. Es ist wichtig, immer in Interaktion zu sein und zuzuhören. Das ist nicht wie beim Maler, der eine Wand streicht, da ist die Kommunikation mit den Kunden meistens nicht so intensiv. Ich denke, dass die soziale Komponente noch mehr herausgestellt werden sollte. Zum Beispiel bei der Berufsberatung oder in den Schulen.

Das grundsätzliche Dilemma ist ja, dass viele Schüler den Beruf gar nicht kennen. Hier gibt es Verbesserungsbedarf: Handwerkliche Berufe sollten grundsätzlich mehr propagiert werden, ob vom Arbeitsamt, den Schulen oder dem Elternhaus. In den Köpfen muss sich etwas verändern, denn auch heute zählt ein Studium im Vergleich zur Ausbildung noch immer mehr.

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Ab diesem Zeitpunkt war sie als Führungskraft im Betrieb tätig. „Zunächst dachte ich, ich kann meinen Job als Physiotherapeutin nebenher machen“, erinnert sich Holzwarth-Ruml, doch schnell habe sie gemerkt, dass dies zeitlich nicht möglich sei. Als Mutter von zwei Kindern habe sie die Flexibilität geschätzt, die die neue Aufgabe mit sich brachte: „Ich konnte es immer so einrichten, dass ich zu Hause war, wenn die Kinder von der Schule kamen und arbeitete danach dann weiter“, erzählt Holzwarth-Ruml, die heute nicht nur in Waiblingen, sondern auch in der 2009 gegründeten Filiale in Fellbach tätig ist.

Engagement bei den UFH

2010 lernte Simone Holzwarth-Ruml dann das Netzwerk der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) kennen – und wurde prompt Mitglied. Eine Veranstaltung in der Handwerkskammer hatte ihre Aufmerksamkeit auf diesen Verband gelenkt. Bei einer bloßen Mitgliedschaft blieb es jedoch nicht: Ab 2013 engagierte sich Simone Holzwarth-Ruml als Vorstandsmitglied im Kreis Rems-Murr, bis eine schwere Verletzung sie im vergangenen Jahr zwang, diese Tätigkeit aufzugeben.

Über all die Jahre bei den UFH hat sie hautnah mitbekommen, welche Themen Führungskräfte im Handwerk bewegen. „Die ausufernde Bürokratie ist ein riesengroßes Problem. Hier stößt man wirklich an Grenzen“, meint Holzwarth-Ruml. Und auch die fehlenden Nachwuchskräfte machten den Handwerksbetrieben natürlich zu schaffen.

Der Austausch ist wichtig

Profitieren können die Frauen in den Arbeitskreisen der UFH ihrer Meinung nach durch die zahlreichen Fort- und Weiterbildungsangebote, das Netzwerk, aber auch durch den Austausch untereinander. So schätzt sie persönlich besonders die guten Kontakte der UFH zur Handwerkskammer. Und allein schon, in Gesprächen zu erfahren, dass andere ähnliche Probleme haben und man mit diesen nicht alleine ist (zum Beispiel der Mehrfachbelastung als berufstätige Mutter), könne hilfreich sein. Einmal monatlich treffen sich die Frauen im Arbeitskreis– dabei werden ganz unterschiedliche Fragestellungen diskutiert. „Die Themen sind querbeet verteilt“, sagt Holzwarth-Ruml.

So steht der Bereich Steuern, wie Neuerungen bei der Sozialversicherungsprüfung, regelmäßig auf der Themenliste. Doch auch Politisches, zum Beispiel eine persönliche Sprechstunde im Bundestag bei MdB Dr. Joachim Pfeiffer (CDU) im Rahmen einer Berlinreise vor drei Jahren, und vor allem jede Menge Praxiswissen – zum Beispiel zur IT-Sicherheit, Excel-Kursen, Elternunterhalt, Regelungen im ­Todesfall oder auch zur Frage „Wie führe ich ein Mit­arbeitergespräch?“ –  stehen auf dem Plan.

80 Prozent mitarbeitende Ehefrauen

123 weibliche Führungskräfte sind im Rems-Murr-Kreis über die UnternehmerFrauen im Handwerk vernetzt: 80 Prozent davon sind mitarbeitende Ehefrauen, der Rest selbstständige Handwerkerinnen, schätzt Simone Holzwarth-Ruml. Die 51-Jährige ist dabei die einzige Führungskraft aus einem Orthopädieschuhtechnikbetrieb.

Den Großteil stellen Chefinnen aus Sanitär-, Maler- und Schreinerbetrieben. Auf die Frage nach der Gründung eines speziellen Arbeitskreises ausschließlich für die Orthopädieschuhtechnik winkt sie ab – auch weil fachspezifische Themen in den Arbeitskreisen der UFH eher weniger ein Thema sind. „Hier sind die Innungen gefragt, ein UFH-Arbeitskreis kann dies nicht leisten“, so die 51-Jährige. Neue Mitglieder seien aber immer willkommen: „Wir haben auch bei den UFH Bedarf an Nachwuchs“, meint Holzwarth-Ruml und gibt zu bedenken: „Sicherlich gibt es inzwischen ­viele ­Online-Fortbildungsangebote und Kurse in Form von Webinaren, doch dabei fehlt der persönliche Austausch“.     

 

 

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Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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