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30. Juli 2021
Wolfgang Best
Vorfußentlastung

Der „Balkon“ wird nicht gebraucht

Vorfußentlastungsschuhe spielen bei der Hilfsmittelversorgung nach Fußoperation und in der Therapie des Diabetischen Fußes eine wichtige Rolle. Noch denkt man bei diesen Schuhen zunächst an Fersenkeil und Vorfußbalkon. Doch eine neue Generation von Entlastungsschuhen hat begonnen, die bekannten Modelle abzulösen, da sie die Entlastung mit einem natürlicheren und stabileren Gangbild kombinieren.
Grafik: Kröger
Konstruktionsprinzip des Heilbronner Abrollschuhs, bei dem als einem der ersten Therapieschuhe, eine Abrollsohle zur Vorfußentlastung eingesetzt wurde.

Am Anfang war es nicht viel mehr als ein Fersenkeil, auf den der Fuß geschnallt wurde. Die Ferse steht in Hackenfußstellung, während der Vorfuß frei in der Luft schwebt und somit von jedem Bodenkontakt befreit ist. Entwickelt wurden die ersten Vorfußentlas-tungschuhe in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für den Einsatz in der Fußchirurgie, um im postoperativen Einsatz den Vorfuß zu entlasten, bis eine knöcherne Konsolidierung erreicht ist. Damit sollte das Operationsergebnis gesichert werden, das durch zu frühe und zu große Belastung zunichtegemacht werden kann. Auch heute werden noch Therapieschuhe mit Fersenkeil und frei schwebendem Vorfuß angeboten. Sie wurden jedoch überwiegend von Schuhkons-truktionen abgelöst, die das gleiche Prinzip verfolgen – Ferse in Hackenfußstellung –, dem Vorfuß aber eine stabile Platte bieten, die ihn vor dem Bodenkontakt schützt und vor allem das Anstoßen der Fußspitze verhindern soll. Als Erfinder dieses Konstruktionsprinzips gilt der französische Fußchirurg Louis Samuel Barouk, weshalb diese Schuhe vor allem unter Medizinern häufig als Barouk-Schuhe oder Schuhe nach Barouk bekannt sind. Entwickelt wurde der Schuh für den Einsatz nach Vorfußoperationen. Doch diese Schuhkonstruktion galt über Jahre auch als Mittel der Wahl in der Diabetesversorgung, um plantare diabetische Druckulzera im Vorfuß zu entlasten und somit eine Heilung zu ermöglichen. Die entlastende Wirkung dieser Schuhe wurde in verschiedenen Studien bestätigt. Allerdings machten Anwender – Ärzte und Orthopädieschuhmacher – schon recht früh auf Probleme beim Tragen dieser Schuhe aufmerksam. Es zeigte sich, dass die in Studienbedingungen ermittelte Wirkung nicht immer ohne weiteres auf die Praxis übertragbar ist. Die Studien wurden alle mit gesunden Probanden gemacht, die koordinativ natürlich mit der ungewohnten und koordinativ durchaus herausfordernden Biomechanik der Schuhe besser zurechtkamen, als Diabetespatienten mit einer gestörten oder komplett fehlenden Fußsensorik. Und sie mussten die Schuhe nicht den ganzen Tag tragen. Genau das erwies sich in der Praxis als Problem. Um die entlastende Wirkung tatsächlich zu erzielen darf zwar der Fuß mit der Ferse auf den Boden aufgesetzt werden, auf die normale Schrittabwicklung muss allerdings unbedingt verzichtet werden.

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Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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