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3. Juni 2020
Redaktion

BIV-OT: Hilfsmittelversorgung von Normalität weit entfernt

Auch wenn Krankenhäuser und Arztpraxen ihre Leistungen langsam wieder hochfahren: Sanitätshäuser und orthopädie-technische Betriebe arbeiten nach wie vor unter schwierigen Bedingungen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Hilfsmitteln zu sichern. Die zweite Befragung des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik (BIV-OT) zu den „Corona-Auswirkungen 2020“ unter Mitgliedsbetrieben im Mai ergab: Die für die Patientenversorgung notwendige Verfügbarkeit von persönlicher Schutzausrüstung hat sich deutlich verbessert allerdings erleben die Unternehmen fortlaufend hohe Umsatz- sowie Auftragseinbrüche.

Foto: MH/Adobe Stock

„Die Gefahr, dass mit der Hilfsmittelversorgung ein relevantes Segment des Gesundheitswesens kollabiert, ist nicht gebannt. Die Situation ist noch weit von einer Normalität entfernt“, konstatiert BIV-OT-Präsident Alf Reuter, der 14 Landesinnungen und mehr als 2.500 Hauptbetriebe mit insgesamt rund 40.000 Beschäftigten vertritt. Das zeige die aktuelle Befragung zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Branche, an der zwischen dem 4. und 10. Mai 2020 bundesweit 357 Mitgliedsbetriebe des BIV-OT teilgenommen haben (1. Befragungswelle im April: 599 Betriebe). Insgesamt habe sich die Lage im Vergleich zur ersten Befragung zwar verbessert, so Reuter: „Die Häuser haben sich mit hohem Engagement auf die Versorgung unter schwierigen Bedingungen eingestellt, beispielsweise persönliche Schutzausrüstung (PSA) beschaffen können. Hier haben die gemeinsamen Anstrengungen mit dem GKV-Spitzenverband bezüglich der Verwaltungsvereinfachungen gut gegriffen. Allerdings machen mir die hohen Einbrüche bei der Auftragslage weiter Sorgen. Daran sieht man deutlich, dass der Klinikbetrieb nicht zum Normalbetrieb übergehen konnte und auch die Arztbesuche und Verordnungen der niedergelassenen Ärzte noch deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Hier droht nach wie vor für viele Betriebe ein finanzieller Kollaps. Auch das weitere Verschieben notwendiger Versorgungen kommt an seine Grenzen – wenn das so weitergeht laufen wir Gefahr, dass Patienten gesundheitliche Schäden riskieren.“

Eingeschränkt arbeitsfähig

Auch die Auswertung der zweiten Befragung zu den Corona-Auswirkungen im Mai ergab in etlichen Betrieben keine volle Arbeitsfähigkeit in den verschiedenen Versorgungssegmenten. Indes stellten sich die Einschränkungen weniger ausgeprägt dar als bei den Antworten im April. Der Mangel an PSA bleibt ein Thema in den Häusern, freilich nicht mehr so ausgeprägt und mit anderen Schwerpunkten. So wurde fehlendes Desinfektionsmittel von 45,1 Prozent der Befragten als ein Grund benannt, der „aktuell oder innerhalb der nächsten Woche“ zu Einschränkungen ihrer Lieferfähigkeit führt (Angabe bei 1. Befragung: 71,3 Prozent) – gefolgt von FFP2/3-Mundschutz mit 38,94 Prozent (1. Befragung: 82,3 Prozent) und Einweghandschuhen mit 38,94 Prozent (1. Befragung: 54,1 Prozent). In der ersten Befragung im April führte noch der FFP2/3-Mundschutz das Ranking an.

Harte wirtschaftliche Einschnitte

Erneut legte die Befragung wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise für die Unternehmen offen, speziell Umsatz- und Auftragseinbrüche. „Im Median hat der Umsatz demnach um durchschnittlich 30 Prozent und die Auftragslage im Durchschnitt um 35 Prozent abgenommen“, stellt Reuter fest. In naher Zukunft wird von den befragten Firmen eine Besserung angenommen: Im Ausblick auf den Folgemonat Juni ergab die Befragung ein freundlicheres Bild, Einbußen werden im Vorjahresvergleich aber weiterhin erwartet.

Politische Unterstützung gefragt

„Unsere Betriebe müssen endlich deutlich als systemrelevanter Komplex des Gesundheitswesens benannt werden“, betont Reuter. „Ebenso wie Kliniken, Ärzte und Heilmittelerbringer sind auch unsere Betriebe ein tragender Pfeiler des GKV-Systems und für die qualitätsgesicherte und flächendeckende Versorgung unverzichtbar. Da kann das Bundesgesundheitsministerium in Sachen Schutzschirm nicht mit zweierlei Maß messen.“Um die weiteren Auswirkungen der Corona-Krise auf die Branche zu dokumentieren, wird die Befragung der Mitgliedsbetriebe des BIV-OT fortgesetzt. Die dritte Befragungswelle wird ab 01. Juni bis einschließlich 14. Juni stattfinden.

(Quelle BIV-OT)

 

Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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