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25. August 2023
Redaktion
Arbeitsmarkt

Bereitschaft zum Jobwechsel auf Rekordniveau

Mehr als jeder Vierte (26 Prozent) sucht derzeit aktiv oder gelegentlich nach einer neuen Stelle – 37 Prozent geben an, interessiert zu sein, wenn sich etwas Passendes ergibt. Die Wechselbereitschaft unter Arbeitnehmern ist damit aktuell so hoch wie noch nie. Dies zeigt die EY-Jobstudie, für die 1.555 Arbeitnehmer in Deutschland repräsentativ befragt wurden.
Foto: VRD/Adobe Stock

Nur etwas mehr als jeder dritte Befragte (37 Prozent) gibt an, sich nicht mit einem neuen Job zu beschäftigen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren war es noch mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Angestellten, 2017 sogar mehr als vier von fünf Beschäftigten (82 Prozent), für die ein Jobwechsel kein Thema war.

Drei von vier Arbeitnehmern (76 Prozent) haben schon einmal den Job gewechselt. Die Gründe? Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Befragten erklärte, dies wegen zu niedriger Bezahlung getan zu haben.

Ein ähnlich wichtiger Faktor: das Führungsverhalten der Vorgesetzten. Aus Unzufriedenheit mit ihrem Chef hat fast ein Drittel (29 Prozent) der Angestellten schon einmal seinem Arbeitgeber den Rücken gekehrt.

Weitere Gründe waren – beziehungsweise sind – eine schlechte Unternehmenskultur (23 Prozent), eine interessante Position bei einer anderen Firma (22 Prozent), private Gründe (19 Prozent) und eine zu hohe Arbeitsbelastung (18 Prozent).

Unterschiede zwischen Älteren und Jüngeren

Vor allem bei jungen Angestellten spielt das Führungsverhalten der Vorgesetzten eine wichtige Rolle. So gaben 32,4 Prozent der Befragten im Alter von 21 bis 35 Jahren an, in ihrem relativ kurzen Berufsleben schon einmal aus Unzufriedenheit über das Verhalten ihres Chefs gekündigt zu haben. In der Altersgruppe der 51- bis 65-Jährigen sind es mit 27,8 Prozent weniger – und das, obwohl diese Arbeitnehmer schon deutlich länger beruflich tätig sind.

Auch bei der Bezahlung lassen sich Generationsunterschiede feststellen: So sagen 41,4 Prozent der jungen Mitarbeiter, dass sie wegen zu geringer Bezahlung wechselten. Bei den Beschäftigten mittleren Alters sind es 37 Prozent, in der Gruppe der ältesten Arbeitnehmer nur 26 Prozent.

Führungsstil und Unternehmenskultur sind wichtiger geworden

„Wir stellen fest, dass das Führungsverhalten der Vorgesetzten für junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine viel größere Rolle spielt als für die Generationen zuvor“, sagt Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. „Junge Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen oder erst einige Jahre gearbeitet haben, ergreifen ganz offensichtlich schneller drastische Maßnahmen als die Generation der sogenannten Babyboomer – viele von ihnen kündigen, wenn ihnen der Führungsstil und die Unternehmenskultur im Arbeitsalltag nicht passen. Sie können sich dies aktuell erlauben, weil der Arbeitsmarkt es hergibt und viele Unternehmen weiter vor allem nach gut ausgebildeten Fachkräften suchen.“

Gefühl der Verbundenheit zum Arbeitgeber schwindet

Nur noch etwas mehr als jeder Dritte (36 Prozent) schätzt seinen Job als sehr sicher ein – dies markiert den niedrigsten Wert seit 2015.

Nur noch 13 Prozent der Befragten sagen von sich, sich mit ihrem Unternehmen sehr eng verbunden zu fühlen – auch dieser Wert war nie geringer. Zum Vergleich: 2017 sagte noch jede bzw. jeder dritte Beschäftigte (34 Prozent), dass er eine sehr enge Verbundenheit zu seinem Arbeitgeber spüre. Dazu passt: Immer mehr Mitarbeiter sehen sich aktuell perspektivisch bei einem neuen Arbeitgeber (19 Prozent) – auch das ein Höchststand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015.

„Dies ist ohne Frage eine herausfordernde Situation für die Unternehmen: Talente und Fachkräfte zu halten, die ganz offensichtlich immer häufiger zu einem Jobwechsel bereit sind. Und gleichzeitig potenzielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Vorzügen des eigenen Unternehmens zu überzeugen“, so Hinz. „Die Bezahlung ist hier ganz klar eine Stellschraube, die gerade bei der jüngeren Generation wichtiger ist als bei den älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Teil bereits in Richtung Rente schielen. Aber auch softe Faktoren, die Art der Führung, die Kultur im Konzern und das Verhältnis zu den Kolleginnen und Kollegen, spielen eine wichtige Rolle und dürfen nicht außer Acht gelassen werden.“

Flexible Arbeitszeit-Modelle gewünscht

Bei Arbeitnehmern stehen flexible Arbeitszeit-Modelle, egal ob beispielsweise die Vier-Tage-Woche, Teilzeitmöglichkeiten oder Gleitarbeitszeit, schon jetzt hoch im Kurs: 63 Prozent der Befragten sagen, dass flexible Arbeitszeitmodelle ein Benefit sind, den Arbeitgeber anbieten sollten. Dahinter folgen Überstundenkompensation (58 Prozent) sowie Weiterbildungsmöglichkeiten (57 Prozent).

An Bedeutung verlieren dagegen Leistungen wie Firmenwagen, den sich nur noch jede beziehungsweise jeder fünfte Befragte (20 Prozent) wünscht, oder kostenfreie Snacks im Büro, die weniger als ein Drittel (31 Prozent) wichtig findet.

 

Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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