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29. November 2023
Redaktion
8. Phlebologisches Symposium

Wie viel Phlebologie tut gut?

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. med. Erika Mendoza, Wunstorf, fand am 4. November das 8. Phlebologische Symposium von Juzo im Expowal – dem offiziellen Wahrzeichen der Expo 2000 – in Hannover statt. 180 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung.
Foto: Julius Zorn GmbH
Die Referenten des 8. Phlebologischen Symposiums von Juzo in Hannover.

Das Leitthema „Wie viel Phlebologie tut gut?” bot viel Raum zur kritischen Betrachtung von Diagnostik und Therapie der Varikose über die Thrombose- und Ödembehandlung bis hin zur modernen Wundbehandlung phlebologischer Genese.

Das Vortragsprogramm war in die vier Teile Varikose, Thrombose, Ödem und Fälle aus dem klinischen Alltag unterteilt.

Varikose

Nach einer kurzen Begrüßung startete die wissenschaftliche Leiterin Dr. med. Erika Mendoza, Wunstorf, mit zwei Beiträgen. Im ersten Vortrag sprach sie über die Therapie von Varizen und hob hervor, dass eine Behandlung mit Kompression bei allen sinnvoll sei, die sichtbare Venen oder Symptome hätten. Eine invasive Behandlung sei jedoch nur nötig, wenn Symptome wie Schwellung, Verfärbung oder Ekzem vorhanden sind. Im zweiten Teil veranschaulichte sie mit einer Live-Demonstration die Sicherung der Diagnose mit dem Ultraschall und zeigte, wie man Thrombosen erkennt, die Klappenfunktion prüft, Krampfadern sowie den Venenfluss beurteilt.

Über die Verödung von Seitenästen und Besenreisern referierte Prof. Dr. med. Birgit Kahle, Lübeck. An praktischen Beispielen präsentierte sie interessante Fälle mit unterschiedlichen Komorbiditäten und zeigte anhand von Bildern die Sklerosierung.

Gemeinsam stellten Dr. med. Erika Mendoza, Wunstorf, und PD Dr. med. Dr. med. univ. Dominic Mühlberger, Herne, Techniken mit Videosequenzen zur Therapie von Stammveneninsuffizienz vor. Sie präsentierten verschiedene Verfahren vom Stripping mit Phlebektomie über die endoluminalen Hitze-Techniken hin zur Erhaltung der Stammvenen, die je nach Ausgangssituation individuell zum Einsatz kämen.

Unter dem Titel „Therapiemöglichkeiten bei Rezidiven” zeigte PD Dr. med. Dr. med. univ. Dominic Mühlberger, Herne, anschließend Videosequenzen mit Techniken, um Rezidiven vorzubeugen, bzw. diese chirurgisch zu versorgen.

Zum Abschluss des Themenblocks erarbeitete das Trio aus den ersten drei Vortragenden eine zusammenfassende Gegenüberstellung der Behandlungsmethoden.

Thrombose

Prof. Dr. med. Markus Stücker, Bochum, fasste zusammen, was es zum Thema Kompression und Thrombose zu wissen gibt. Die Therapie solle sofort nach der Diagnose begonnen werden, um einem postthrombotischen Syndrom vorzubeugen. Die jeweilige Behandlungsdauer sei abhängig von den Symptomen.

Im Vortrag „Antikoagulation – Wie lange? Womit?“ beleuchtete Dr. med. Tom Schilling, Wernigerode, die Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten. Anhand verschiedener konkreter Fälle aus der Praxis stellte er das Vorgehen hinsichtlich Diagnostik, Therapie und Behandlungsdauer unter Einbeziehung der neuen Thrombose-Ampel vor. Besonders hob er hervor, dass eine Thrombophilie-Diagnostik für diese Entscheidung nicht notwendig sei.

Zur oberflächlichen Thrombose referierte Prof. Dr. med. Rupert Bauersachs, Frankfurt. Anhand eines Beispielpatienten erläuterte er die Epidemiologie der oberflächlichen Venenthrombose und fasste aktuelle Studien zum Therapieverlauf bei isolierter oberflächlicher Venenthrombose zusammen.

Ödem

Dr. med. Tobias Bertsch, Hinterzarten, zeigte an eingängigen Beispielen, wie sich Lymphödem, Lipödem, Lipohypertrophie und Adipositas hinsichtlich Diagnose und Therapie abgrenzen ließen. Die Adipositas würde noch immer stigmatisiert und nicht als chronische Erkrankung angesehen. Das Lipödem werde häufig durch die Begleiterkrankung der Adipositas verschlimmert, so Dr. Bertsch.

In welchen Fällen Liposuktion beim Lipödem eine Option darstellt, erläuterte Dr. med. Axel Baumgartner, Lübeck. Da über 50 Prozent der Behandelten adipös seien, wäre es wichtig vor der Liposuktion die Adipositas zu behandeln und zu motivieren vor, aber auch nach dem Eingriff Gewicht zu verlieren.

Dr. med. Max Liebl, Berlin, thematisierte in seinem Vortrag die seltenen Kontraindikationen gegen die Kompression beim Ödem. Detailliert zeigte er auf, dass sowohl die arterielle Verschlusskrankheit als auch die Herzinsuffizienz inzwischen als Kontraindikationen sehr relativiert wurden, bzw. mit welchen Komplikationen und Risiken in diesen Fällen zu rechnen sei.

Ödem-Therapeutin Susette Wetzel, Hannover, sprach zum Thema Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) in der ambulanten therapeutischen Praxis. Das Selbstmanagement als neue fünfte Säule neben manueller Lymphdrainage, Kompressions-, Bewegungstherapie und Ernährung sei ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Fälle aus dem klinischen Alltag

Prof. Dr. med. Eva Valesky, Frankfurt, berichtete über praktische Aspekte der neuen S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie beim Ulcus cruris venosum. Dabei lieferte sie spannende Einblicke zur Erarbeitung der Leitlinie, in die sie als Vorsitzende der Leitlinienkommission involviert war.

Worauf bei einer Blickdiagnose bei Hautveränderungen besonders zu achten ist, erläuterte Prof. Dr. med. Tobias Görge, Münster. Um die Differentialdiagnostik zu veranschaulichen, zeigte er Bilder von Herpes zoster, Psoriasis, Kältepannikulitis, Zeckenbissen, Melanomen, Erysipel, Zirkumskripte Sklerodermie und weiteren Krankheitsbildern mit Hautveränderungen.

Dr. med. Daniel Czesla, Hamburg/Heidelberg, präsentierte den Fall eines Hochrisikopatienten mit Multimorbidität und erläuterte Besonderheiten zur Diagnose und parallelen Therapie von Varikose, zirkumskripte Sklerodermie und Myofibrom.

Einen weiteren spannenden Fall aus der Sprechstunde stellte Assistenzarzt Christian Bischoff, Münster, vor: Eine unklare Ulceration nach einer Flugreise hatte sich letztlich nur als Folge einer inkompetenten Vena saphena magna erwiesen. Die Behandlung erfolgte mit Kompression, Wund- und Lokaltherapie.

Dr. med. Jasmin Woitalla-Bruning, Hamburg, zeigte zahlreiche interessante und nicht ganz alltägliche Beispiele aus der phlebologischen Sprechstunde. Man könne einer bloßen Inaugenscheinnahme nicht immer trauen und müsse bei der Klärung suspekter Befunde immer auch die Berichte der Behandelten einbeziehen, so Dr. Woitalla-Bruning.

Voraussichtlich Mitte November 2024 wird in Essen das 9. Phlebologische Symposium stattfinden.

Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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