Folgen Sie uns
1. Oktober 2019
Redaktion

Hilfsmittel interessant für Finanzinvestoren

Kapitalgetriebene Investoren wie Private-Equity-Fonds und strategische Investoren mit dem Ziel von Kettenbildungen und hohen Marktanteilen haben die Hilfsmittel-Branche entdeckt. Betroffen sind vor allem folgende Bereiche: Leistungserbringer und Hersteller in den Bereichen Homecare, Reha und Orthopädietechnik. MTDialog gibt einen Überblick über die Entwicklung der vergangenen Jahre.


Foto: tevalux/Adobe Stock

Rolf Schmid

Kapitalgetriebene Investoren wie Private-Equity-Fonds und strategische Investoren mit dem Ziel von Kettenbildungen und hohen Marktanteilen haben die Hilfsmittel-Branche entdeckt. Betroffen sind vor allem folgende Bereiche: Leistungserbringer und Hersteller in den Bereichen Homecare, Reha und Orthopädietechnik. MTDialog gibt einen Überblick über die Entwicklung der vergangenen Jahre.

In den letzten Monaten, ja Jahren zeigte sich die Pflege-Branche beunruhigt über die Zunahme von Übernahmen von Dienstleistern durch Private-Equity-Un­ter­nehmen. Diese kaufen Unternehmen oder beteiligen sich an ihnen. Das Geld der Private-Equity-Fonds kommt von institutionellen und privaten Geldgebern. In der Zeit ihres Engagements setzen die Private-Equity-Unternehmen alles daran, den Firmenwert zu steigern. Mittel sind Aufspaltung der Firma, Effizienzverbesserungen und Kostensenkungen. Kurz­fris­tige Gewinne sind meist wichtiger als langfristige, strategische Entwicklungen. Nach ein paar Jahren wird die Beteiligung oft mit hohen Profiten wieder veräußert.{pborder} Oft wird den übernommenen Firmen durch Kahlschlag geschadet. Sogar den ursprünglichen Kaufpreis müssen die übernommenen Firmen durch die Gewinne oder Schulden selbst finanzieren. Vor allem amerikanische Beteiligungsgesellschaften stehen diesbezüglich in der Kritik. Oft werden Hedgefonds deshalb auch als Heuschrecken bezeichnet. Es gibt aber verschiedene Ausprägungen. Neben den ausschließlich auf den höchsten Profit fixierten gibt es auch Beteiligungsfirmen, die auf langfristiges, stabiles Engagement setzen. Nicht nur der Pflegebereich, sondern grundsätzlich das Gesundheitswesen ist wegen der Perspektiven ein lukratives Ziel von Beteiligungsgesellschaften und Kapitalfonds, die ihren Sitz gerne in Off­shore-Finanzzentren wie den Cayman Islands und Guernsey haben. Der neues­te Trend liegt in der Übernahme von stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, MVZ bzw. Facharztsparten (Dental, Radiologie, Ophthalmologie). Weniger Begehrlichkeiten erwecken dagegen Krankenhäuser und Reha-Kliniken. Das große Interesse an deutschen Gesundheitsdienstleistern bestätigt die Studie „Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2019“ des Beratungsunternehmens PwC, die die Übernahmen auflistet (s. Arti­kel „Finanzinvestoren im Gesundheitsmarkt“ in MTDialog 7/2019). Auch gemäß einer Studie des Instituts Arbeit und Technik an der Westfälischen Hochschule ist der Gesundheitssektor bereits 2017 zur wichtigsten Zielbranche geworden. Von 2013 bis einschließlich 1. Halbjahr 2018 gab es 130 Übernahmen im medizinischen oder pflegerischen Bereich, 60 Prozent davon in den letzten beiden Jahren.Auch die Medizintechnik sowie die Hilfsmittel- und Homecare-Branchen sind im Visier der Finanzkonzerne. Besonders aktiv bei Übernahmen in diesen Bereichen sind Carlyle, Nordic Capital, HAL und EQT. Teilweise werden Hersteller und Leistungserbringer nach der Strategie „Buy and Build“ gekauft, um fach­glei­che Einrichtungen in eine neue Unter­nehmenskette zu integrieren. Der Zweck liegt darin, Skaleneffekte und Kostenvorteile zu erzielen. Die MTD-Redaktion recherchierte und erstellte eine chronologische Auflistung von Übernahmen im Hilfsmittelbereich seit dem Jahr 2000, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Einbezogen sind hier nicht nur Übernahmen durch Private-Equity-Firmen, sondern auch andere Übernahmen mit dem Ziel von Kettenbildungen. Dass es sich bei kapitalgetriebenen Übernahmen aber nicht unbedingt um eine Erscheinung des 21. Jahrhunderts handelt, zeigt das Beispiel der Fa. Novacare in Bad Dürkheim, die bereits 1998 an einen schwedischen Investor verkauft wurde.

Jahr 2000
Im Jahre 2000 übernahm die Indus Holding in Bergisch Gladbach von Tyco International den Kompressionsstrumpf-Hersteller Ofa Bamberg. Ofa machte einen Umsatz von 61,5 Mio. DM.
Ende dieses Jahres übernahmen die amerikanischen Avenue Equity Partners und Vestar Capital Partners sowie Fir­men­manager die kalifornische Sunrise Medical. Die deutsche Tochter hatte die Geschäftsbereiche Sopur (Rollstühle), DeVilbiss (Atemwegstherapie), Jay (Deku­bitusprophylaxe) und Dynavox (Kommunikationshilfen).

Jahr 2005
Der Münchner Finanzinvestor Afinum beteiligte sich 2005 mehrheitlich an der Fa. Rudolf Riester in Jungingen.

Jahr 2007
2007 stieg die Barclays Private Equity (heute Equistone) bei der von Andreas Rudolph gegründeten Homecare-Firma HCD in Ahrensburg ein, einer Vorgänger-Firma des Home­care-Dienstleisters GesundHeits GmbH Deutschland (GHD).

Jahr 2008
2008 übergab Bristol-Myers Squibb für 4,1 Mrd. Dollar die US-Firma ConvaTec (Wund- und Stomaversorgungsproduk­te) an Nordic Capital und Avisa Capital Partners. Im selben Jahr gingen die Unter­nehmen Diareal in Dresden, Diabet Concept (DCG) in Bitterfeld-Wolfen und Hahn & Hahn in Waiblingen an die niederländische OPG-Gruppe und schlossen sich zum Serviceverbund Diabetesfachhändler Mediq Direkt Diabetes mit Hauptsitz in Dresden zusammen.

Jahr 2009
Die 2009 gegründete Auxilium kaufte im Folgejahr das Sanitätshaus Luttermann in Essen. Auxilium-Gesellschafter waren die Orthopedie Investments Europe, eine Tochter der HAL Investments (heutiger Anteilsbesitz an Auxilium 54 %), der b-to-V-Investorenkreis und Günther Charton, vormals alleiniger Inhaber des Sanitätshauses Luttermann. HAL Orthopedie Invest­ments hat schon viele Jahre vorher den größten niederländischen Orthopädie- und Orthopädieschuhmacher-Betrieb Livit gekauft. Livit hat 34 Versorgungs­zentren.

Jahr 2010
IK Investment Partners übernahm 2010 für 320 Mio. Euro die Mehrheit des von Andreas Rudolph geführten Homecare-Unternehmens GesundHeits GmbH Deutschland GHD (früher HCD) von Barclays Privaty Equity. Ebenfalls 2010 kaufte Nordic Capital die Fa. Handicare von der norwegischen Investment-Gesellschaft Herkules Private Equity Fund. Herkules Private Equity hatte Handicare 2005 erworben.

Jahr 2011
2011 verleibte sich die niederländische Mediq-Gruppe für 95 Mio. Dollar das Home­care-Unternehmen Assist in Merzig von der Sanventura AG ein. Einbezogen in die Übernahme waren die Assist-Töchter Nutrimedicare, Easycare Research und Caresan.

Jahr 2012
2012 wird die Mediq-Gruppe ihrerseits für 775 Mio. Euro von Al Garden, einer Tochter des Finanzinvestors Advent International übernommen. Die Mediq-Gruppe machte seinerzeit einen Umsatz von 2,7 Mrd. Euro. Im selben Jahr übernahm Auxilium die Thies Gesundheitspartner in Itzehoe mit ihrer Tochter MediCenter Medizintechnik. Im vom Bundeskartellamt genehmigten Zusammenschlussantrag wurde die niederländische Orthopedie Investments Europe B.V. als übernehmende Firma genannt. Dieses Unternehmen ist eine Tochter von HAL Investments. Thies Gesundheitspartner übernahm ein Jahr später die vier Sanitätshäuser der Regio-Kliniken in Uetersen. Das Düsseldorfer Beratungs- und Investmenthaus Droege International Group übernahm 2012 die Dortmunder Sani­tätshaus-Gruppe Zieger mit Niederlassungen in Hörde und Lünen mit einem Umsatz von ca. 10 Mio. Euro. Droege hielt bereits den in Troisdorf ansässigen bundesweit agierenden Homecare-Dienstleis­ter und Medizintechnik-Produzenten Servona (früher Servox). Zieger gehört zu Servona. Sunrise Medical wurde 2012 von einer Private-Equity-Gesellschaft an die nächs­te übergeben. Die amerikanische Vestar Capital Partners, seit 2000 Eigentümerin von Sunrise Medical, verkaufte an Equistone Partners Europe. 2015 verkaufte Vestar die Fa. DeVilbiss an Drive Medical.

Jahr 2013
Der schwedische Rollstuhl-Hersteller Permobil mit 700 Mitarbeitern wird 2013 von der schwedischen Finanzgesellschaft Investor zum Preis von 600 Mio. Euro geschluckt. Verkäufer war Nordic Capital. Der Permobil-Umsatz lag bei 190 Mio. Euro, das Ebitda bei 41 Mio. Euro. Mit Handicare hatte Nordic Capital schon zwei Hersteller von Rehahilfsmitteln im Portfolio. Im selben Jahr übernahm die GB Health Care, eine Investment-Gesellschaft des Dortmunder Unternehmers Dr. Wolfgang Geers, die Firmengruppe Schulte-Derne in Lünen mit allen Niederlassungen. Zu GB Health Care gehörte schon das Sani­tätshaus Spanke mit Niederlassungen in Schwerte-Geisecke, Hemer, Kreuztal und Siegen. Weiter gehörten zu GB Health Care über die Beteiligungsgesellschaft Geers Vital die Schweizer Branchen-Betrie­be Becker Orthopädie-Technik und Sanitätshaus in Zürich, Jamans Orthopädie-Technik in Aarau, Schmid Orthopädie-Technik in Zürich und Rädge Ortho­pädie-Technik in Wallisellen.

Jahr 2014
Einen richtig großen Deal bei den Leis­tungserbringern gab es 2014, als Nordic Capital von der schwedischen IK Investment Partners den Homecare-Dienstleis­ter GHD in Ahrensburg mit allen Tochtergesellschaften, wie z.B. For Life und Sangro Medical, übernahm. Kolportiert wurde ein Kaufpreis von 500 Mio. Euro. Der Gruppen-Umsatz lag damals bei 485 Mio. Euro. Nordic Capital war zu diesem Zeitpunkt schon an ConvaTec, Atos Medical und mit einer Minderheit an Permobil beteiligt. Eine Minderheitsbeteiligung an GHD blieb beim geschäftsführenden Gesellschafter Rudolph. Im selben Jahr fusionierten die zur GB Health Care gehörenden Hilfsmittel-Leis­tungserbringer Schulte-Derne und Spanke zur Fa. Brandvital. 2014 wurde die Reha aktiv 2000 in Jena mit ihren 230 Mitarbeitern an Auxilium angegliedert. Zeitgleich kommt auch der Medizintechnik-Hersteller Hoffrichter in Schwerin zu Droege. Hoffrichter ist ein auf Beatmungstechnik spezialisiertes Unternehmen, das nach der Strategie „Buy & Build“ Servona zugeschlagen wurde. Eine weitere Droege-Akquisition war die in Hannover ansässige Nicolai-Vital-Resort mit 19 Niederlassungen und einem Umsatz im Jahre 2012 von 20 Mio. Euro.

Jahr 2015
2015 ging es Schlag auf Schlag, wobei sich Nordic Capital endgültig als Investitionsprimus im Hilfsmittelbereich herauskris­tallisierte. Nordic Capital machte sich weiter in der Branche breit und übernahm die OTB-Gruppe mit 50 Fachgeschäften in Berlin und in den östlichen Bundesländern und einem Umsatz von über 26 Mio. Euro (2013). Weitere Leis­tungserbringer in der Gruppe sind z. B. Rehateam Vital und Teremed. Im selben Jahr kaufte Nordic Capital für 500 Mio. Euro Sunrise Medical von Equistone Partners Europe. Equi­stone selbst zahlte 2012 rund 250 Mio. Euro. Zum Zeitpunkt der Übernahme hatte Sunrise Medical nach Insider-Informationen einen Umsatz von geschätzten 350 Mio. Euro und einen operativen Gewinn von 50 Mio. Euro. Sunrise Medical übernahm nach der eigenen Übernahme ihrerseits das Mobility-Geschäft von Han­dicare, die ja auch zu Nordic Capital ge­hört. Gekauft wurde von Nordic Capital auch der Reha- und Homecare-Dienstleister Rehability in Heidelberg, Frankfurt und Dresden. Ebenfalls 2015 übernahm die zur Mediq-Gruppe gehörende Fa. Assist das Frankfurter Gesundheitszentrum Reininger.

Jahr 2016
2016 vereinnahmte die zu Nordic Capital gehörende GHD das in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen aktive Home­care-Unternehmen KCM Konzeptionelles Care Management in Ibbenbüren. Und Auxilium übernahm das Sanitätshaus O.R.T. in Göttingen mit mehr als 100 Mitarbeitern und sechs Filialen und die Meditech Sachsen in Pulsnitz mit 19 Sani­tätshäusern. Auxilium-Mitglied Reha aktiv 2000 in Jena schluckte das Sanitätshaus Dietrich in Sachsen-Anhalt. Die österreichische Beteiligungsgesellschaft Apollon Medizin Beteiligungs SE in Elsbethen-Glasenbach bei Salzburg gründete 2016 und 2017 Gemeinschaftsunternehmen mit dem Hamburger Sani­tätshaus Stolle und der Fa. Friedrich Georg Streifeneder in Emmering bei München. Zu den Apollon-Beteiligungen zählen die Orthopädietechnik Chiemgau in Prien am Chiemsee, Orthopädietechnik München Harlaching, die zur Streifeneder-Firmengruppe gehört, die OTH Orthopädietechnik Hamburg, die Ortho­pädietechnik Neustadt, die OT4 Ortho­pä­dietechnik, ein Joint Venture mit Streifeneder für 3-D-Druck-Verfahren in der Orthopädietechnik, sowie die Schön-Klinik und die Medizintechnik-Firma Silony Medical. Dass kapitalgetriebene Investoren die Marktführerschaft anstreben und durch einen Verdrängungswettbewerb ganze Branchen verändern oder monopolisieren können, zeigt das Beispiel ­Choose Your Shoes in den Niederlanden. Das Un­ter­nehmen ist nach Eigenangaben Welt­marktführer für orthopädische Schuhe. Wie in Deutschland auch, gab es in den Niederlanden ein gut funktionierendes Netzwerk an Orthopädieschuhmacherbetrieben, darunter auch größere Dienstleister. Die gibt es heute nicht mehr. Choose Your Shoes nahm ihnen den Markt. Das Unternehmen produziert vor allem auf den Philippinen und vertreibt seine orthopädischen Schuhe mit 500 Mitarbeitern in über 20 Ländern. Solche Firmen sind interessant für Kapital-Inves­toren. 2016 kaufte Foreman Capital nicht nur Choose Your Shoes, sondern auch den großen holländischen Ortho­pädie­schuhmacher-Betrieb Penders Voetzorg mit 100 Mitarbeitern und elf Filialen.

Jahr 2017
2017 wurde auch die schwedische EQT wieder in der Orthopädie- und Reha­branche aktiv. Übernommen wurden 20 Prozent der Anteile am Duderstädter Hersteller Otto Bock. Mit einem Umsatz von 885 Mio. Euro wurde der Wert von Otto Bock mit 3,15 Mrd. Euro veranschlagt. Indirekt ist EQT somit auch an den Sani­tätshäusern Pohlig in Traunstein und John & Bamberg in Hannover beteiligt. So richtig transparent ist die US-Gesellschaft The Firm of John Dickinson Schneider (JDS) mit ihren Hersteller-Marken Hollister und Dansac nicht. Es ist nicht ersichtlich, wer hinter diesem Stiftungsunternehmen steckt und welche Zielsetzungen verfolgt werden. JDS gründete 2017 die KMT Medical. Unter deren Dach sind die zuvor übernommenen Firmen Phadimed Homecare, Livica, Publicare Visé Homecare, ­Publi Care in Deutsch­land, Österreich und in der Schweiz, Alphac, Mediphar (beide Belgien), Fittleworth (Vereinigtes Königreich), F.S.K. (Frankreich) und Medexia (Luxemburg) organisiert. Diese KMT-Firmen machten 2017 einen gemeinsamen Umsatz von rund 500 Mio. Euro.

Jahr 2018
Desinvestment bei Nordic Capital. Verkauft wurde 2018 der verbliebene Anteil von 7,3 Prozent an der Fa. ConvaTec für 315 Mio. britische Pfund an institutionelle Investoren. Auch 2018 übertrug Johnson & Johnson ihre Diabetes-Tochter LifeScan für 2,1 Mrd. Dollar an Platinum Equity. Der Umsatz von LifeScan lag im Vorjahr bei 1,5 Mrd. Dollar. Und bei den Auxilium-Anteilen gab es einen Wechsel. Die Schweizer CIC Capital übernahm eine Minderheitsbeteiligung an Auxilium von der BTOV Partners. Kurz darauf übernahm Auxilium alle Anteile der Gehrmeyer Orthopädie- und Rehatechnik in Osnabrück und schon vorher das Sanitätshaus Schütt und Jahn, das Steinke Orthopädie-Center in Halberstadt und das ThiesMediCenter in Itze­hoe. Und das Auxilium-Mitglied Reha aktiv 2000 übernahm die Ziemed Medizintechnik in Zwönitz und die Knorre & Mölder Medizintechnik in Zwickau.

Jahr 2019
Und wie geht es weiter? Sicher ist, dass sich das Investitionskarussell auch 2019 und in den Folgejahren weiterdrehen wird. Öffentlich spekuliert wird darüber, dass Nordic Capital sich von der GHD wieder trennen will und einen Käufer sucht.

Übernahmen im Gesundheitssektor nehmen zu

Der Markt für Fusionen und Übernahmen im Gesundheitssektor entwickelt sich dynamisch: Das Jahr 2018 war durch zahl­reiche Transaktionen im deutschen Gesundheitswesen geprägt. Insbesondere ist die Zahl der Transaktionen mit Beteiligung von Private-Equity-Firmen deutlich gestiegen. Diese Käufergruppe sucht gezielt nach Investments im Bereich der Pflege und der ambulanten Versorgung – das Ergebnis des „Transaktionsmonitors Gesundheitswesen“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Als Gründe, warum der Gesundheitssektor für Finanzinvestoren so attraktiv ist, zählt PwC folgende Faktoren auf: steigende Ausgaben im Gesundheitswesen, die alternde Bevölkerung, die Niedrigzinsphase, Unabhängigkeit der Gesundheitswirtschaft von konjunkturellen Schwankungen und ein großes Konsolidierungspotenzial. PwC denkt deshalb, dass auch 2019 ein sehr dynamisches Transaktionsumfeld erleben wird. Besonders stark ist der Trend zur Marktkonsolidierung im Bereich der Pflege. Durch die Investments haben es zahlreiche Private-Equity-Investoren unter die Top-30-Pflegeheimbetreiber geschafft und werden nach Auffassung von PwC die Konsolidierung des deutschen Pflegemarktes weiter vorantreiben. Auch die übernommenen Firmen selbst haben teilweise kräftig akquiriert. Sehr groß ist auch die Nachfrage nach Pflegeheimimmobilien. Als Investoren waren im vergangenen Jahr etwa die Unter­nehmen Aedifica, Deutsche Wohnen und Cofinimmo besonders aktiv.

Übernahmen niedergelassener Leistungserbringer
Ähnlich dynamisch wie in der Pflege entwickelt sich der Transaktionsmarkt auch im Bereich der ambulanten Versorgung. Die größten Deals des vergangenen Jahres wurden im Bereich der Intensivmedizin geschlossen. Großes Interesse zeigen die Investoren auch am Ausbau von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Das gilt insbesondere für den Bereich der Zahnmedizin: So ist allein von September 2017 bis September 2018 die Zahl von vertragszahnärztlichen MVZ in der Hand von Private-Equity-Firmen um 79 Prozent gestiegen. Bezüglich der MVZ gibt es nun aber höhere Hürden für den Einstieg von Investoren durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz. Die größten Übernahmen waren der Erwerb der Zahnstation, der DPH Dental Partner, der niederländischen Dental Clinics und der Schweizer Adent Cliniques Dentaires durch Nordic Capital, wodurch dieser Kapitalinvestor einer der führenden euro­päischen Zahn­klinik-Plattformen wurde. Mit Altor Equity Partners und Investcorp konnten weitere Finanzinvestoren dentalmedizinische Buy-and-Build-Plattformen aufbauen. Mit der Ober-Scharrer-Gruppe erwarb Nordic Capital auch den führenden Betreiber von Augenzentren und ophthalmologischen Fachkliniken in Deutschland. Für Aufsehen in der Medizintechnik-Branche sorgte auch die Übernahme der Krankenhaus-Einkaufsorganisation Prospitalia durch Nordic Capital im Juli 2018. Großes Investoren-Interesse besteht auch bei radiologischen Leistungserbrin­gern. Es gibt strategische Übernahmen, wie z. B. der Med-360°-Gruppe mit 43 Standorten durch Philips, und Übernahmen durch Private-Equity-Firmen, wie z. B. die Beteiligung an der Deutschen Radiologie Holding durch Triton.

Deals im stationären Bereich
Weniger dynamisch zeigt sich der Transaktionsmarkt im stationären Sektor: Vereinzelte Käufe und Übernahmen von Krankenhäusern und Fachkliniken ergaben sich vor allem durch strategische Zusammenschlüsse und vereinzelte insolvenzgetriebene Trägerwechsel, so etwa die Übernahme der insolventen Paracelsus-Klinikkette durch den Schweizer Finanz­investor Porterhouse. Die Paracelsus-Kette machte 2016 einen Umsatz von 409 Mio. Euro. Ein ähnlich verhaltenes Bild zeichnet sich auch im Subsektor der Rehabilitationseinrichtungen ab. Die größte Transaktion im letzten Jahr war die Übertragung von 38 Reha-Einrichtungen von Frese­nius Helios auf Fresenius Vamed. Aufmerksamkeit in der Branche zog auch der strategische Erwerb von Inoges durch die Celenus-Kliniken auf sich.
Quelle: Transaktionsmonitor Gesundheitswesen pwc 8/2019

Ausgabe 10/2019

Artikel als PDF herunterladen:

Herunterladen

Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
Zurück
Speichern
Nach oben