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22. August 2023
Wolfgang Best
Biomechanik-Labor

Handwerk und Wissenschaft verbinden

Die Versorgungen der Orthopädieschuhtechnik sind zu wenig wissenschaftlich untersucht. Diese Aussage begleitet das Handwerk seit vielen Jahren. Tino Sprekelmeyer und Thomas Stief wollen dies mit ihrem neuen Biomechaniklabor, das am 30. Juni 2023 mit Weggefährten und Gästen eröffnet wurde, ändern. An der Schnittstelle zwischen Handwerk und Wissenschaft wollen sie sowohl die praktischen Versorgungen verbessern als auch die Grundlagen der Versorgung erforschen.
Foto: C. Maurer Fachmedien
Thomas Stief (l.) und Tino Sprekelmeyer

Die Idee hat in uns schon Jahre geschlummert“, berichtete Thomas Stief bei der Eröffnung und betonte dabei, dass das aktuelle Labor für beide ein großer Schritt ist. Die Ausstattung des „(ts)2 analytix motion lab“ geht weit über die übliche Technik hinaus, die man sonst in Orthopädieschuhtechnik-Betrieben findet. Das neue Labor verfügt über eine 3D-Videoanalyse mit 14 Kameras, zwei in den Boden eingelassene Kraftmessplatten, Innensohlen-Druckmesssysteme, ein System zur Messung von Biege- und Torsionsmomenten sowie mehrere Softwarelösungen mit inversen dynamischen Modellen zur Ermittlung von Gelenkbelastungen.

 

 

Versorgung über Analysen und Studien verbessern

Foto: C. Maurer Fachmedien
Thomas Stief (r.) erläutert die Technik des neuen analytix motion lab.

„Wir wollen valide und innovative Untersuchungs- und Analyseverfahren für die orthopädische Versorgungspraxis nutzbar machen und dadurch einen Mehrwert für die Versorgung generieren“, erklärte Thomas Stief. „Die individuelle Versorgung soll dadurch optimiert werden.“

Dies bezieht sich nicht nur auf die Versorgungen in der täglichen Praxis, sondern auch auf grundlegende Erkenntnisse zur Hilfsmittelversorgung, die sich mit Hilfe der Analysetechniken gewinnen lassen. So haben die beiden ein breites Spektrum für die Arbeit ihres Labors definiert, mit dem sie auch Forschungsvorhaben von Dritten umsetzen wollen. Dazu gehören die Entwicklung und Evaluation von Hilfsmitteln mit Studien und Publikationen, die Entwicklung und Optimierung von Versorgungsstandards und Versorgungsalgorithmen, aber auch die Optimierung von Arbeitsplätzen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Und natürlich sollen die Gang- und Bewegungsanalysen durch die Erfassung des Bewegungsverhaltens und der Belastungen die individuelle Patientenversorgung optimieren.

Erfahrungen aus den genannten Bereichen bringen die beiden mit. Tino Sprekelmeyer bietet in seinem Betrieb in Osnabrück, in dem das neue Labor beheimatet ist, seit vielen Jahren Bewegungsanalysen an. Thomas Stief ist Orthopädieschuhmacher, Biomechanik-Ingenieur und hat in den letzten Jahren im Bereich der Lehre und Forschung am Institut für Sportwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen gearbeitet.

Dass sie in der Lage sind, beide Welten – Handwerk und Wissenschaft – produktiv zu verbinden, haben die beiden mit der Entwicklung der „bow“- Einlage bewiesen. Dabei kombinierten Sie ein neuartiges Wirkprinzip für Einlagen mit moderner Technologie und konnten die Wirkung auch durch Studien und Publikationen nachweisen.

 

An der Schnittstelle zwischen Handwerk und Wissenschaft

Zur Eröffnung des neuen Labors gratulierten auch langjährige Weggefährten der beiden in kurzen Ansprachen. „Wir brauchen die individuelle Anpassung der Hilfsmittel am Patienten“, betonte Prof. Bernhard Greitemann, Ärztlicher Direktort der Klinik Münsterland und Vorsitzender des Beratungsausschusses der DGOOC. Dazu könne man auch digitale Technologien, wie die Bewegungsanalyse, nutzen. „Ich muss nachweisen können, dass ich eine funktionelle Verbesserung erreicht habe“, erklärte Greitemann.

Prof. Eric Eils, Arbeitsbereich Neuromotorik und Training an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, erklärte, in der Verbindung von Handwerk und Wissenschaft seien die Interaktionen und Wechselwirkungen interessant – von der Wissenschaft ins Handwerk und vom Handwerk in die Wissenschaft. Beide Bereiche könnten voneinander profitieren. Das (ts)2 Labor – „ts“ steht für die Initialen der Gründer – sei genau an der Schnittstelle und verfüge über ein funktionierendes, sich ergänzendes Team, das über Einblicke und viel Wissen in beiden Bereichen verfüge.

Hans-Georg Ahrens, Leiter der Bundesfachschule und Sprekelmeyers Vorgänger als Vorsitzender der Studiengemeinschaft, erinnerte daran, dass beide Gründer schon früh als Referenten bei der Studiengemeinschaft aktiv gewesen sind. „Ohne die Studiengemeinschaft wären wir heute nicht hier“, erklärte er, denn der Verein bringe Menschen zusammen. Und er fügte hinzu: „Ich freue mich, dass Ihr diesen Weg gemeinsam gemacht habt.“ Beide seien neugierig, wollten nicht beim Alten bleiben und seien in der Lage, sich auf Ziele zu konzentrieren und Projekte zu Ende zu führen”. Gute Voraussetzungen also, mit dem Labor künftig eine wichtige Rolle in der Erforschung von Hilfsmitteln und der Entwicklung von Versorgungskonzepten zu spielen.

Foto: Andrey Popov/AdobeStock_495062320
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