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23. Januar 2024
Redaktion
1. Oberhofer Fußsymposium

Einblicke in die Behandlung des Rückfußes

Unter dem Motto „Der Rückfuß aus operativer und konservativer Sicht“ fand vom 17. bis 18. November 2023 das 1. Oberhofer Fußsymposium statt. Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen vermittelten Wissen rund um die Behandlung des Rückfußes. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte der Medizinprodukte-Hersteller Medi.
Foto: Medi GmbH
Dr. Stephan Biesenbach, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, brachte den Teilnehmern die manuelle Diagnostik am Beispiel des juvenilen Rückfußes näher.

Das Symposium fand unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Kiriakos Daniilidis (Orthopädie Traumatologie Centrum Regensburg) und Prof. Dr. Hans Polzer (Klinikum der Universität München/Muskuloskelettales Universitätszentrum München) statt. Teilgenommen haben rund 80 Mediziner, Physiotherapeuten und Fachkräfte aus dem Sanitätshaus.

An zwei Veranstaltungstagen wurden aus wissenschaftlicher und praxisorientierter Sicht die neuesten klinischen Behandlungsmethoden sowie unterschiedliche Versorgungswege dargestellt: Wann macht eine Operation Sinn? Und was kann mit technischen Hilfsmitteln und physiotherapeutischen Maßnahmen erreicht werden? Ziel der Veranstaltung war, die Patientenversorgung über einen interdisziplinären Versorgungsansatz zu verbessern. Dazu gehört die Zusammenarbeit zwischen der Podologie, der Physiotherapie, der Orthopädieschuhtechnik, der Orthopädie und der Allgemeinmedizin.

 

Diagnostik und Therapie des Pes planovalgus

Den Auftakt der Veranstaltung bildeten Vorträge zum kindlichen Pes planovalgus (Knick-Senkfuß). Andreas Lieschke, Physiotherapeut aus Regensburg, erklärte, dass der kindliche Fuß in seiner natürlichen Reifung verschiedene Stadien durchläuft und ein gewisses Maß an Knickfüßen bis zum Alter von sechs Jahren normal sei: „Kleinkinder haben platte Füße, aber keinen Plattfuß.“ In vielen Fällen korrigiere sich dieser Zustand selbst, daher sollte nicht zu früh interveniert werden, zum Beispiel mit Einlagen, Tape oder Physiotherapie. Ab dem schulpflichtigen Alter ändere sich das. Dann könne bei Kindern auch das Trainieren der intrinsischen Muskulatur sinnvoll sein. Darüber hinaus sei es zielführend, barfuß zu gehen, flexible Schuhe zu tragen und sich allgemein viel zu bewegen – Übergewicht sollte vermieden werden.

In seinem Fachvortrag befasste sich Andreas Lieschke auch mit konservativen Therapieansätzen für den schmerzhaften Knick-Senkfuß bei Erwachsenen. Optimale Wirkung erziele dabei die Kombination von orthopädischen Einlagen und Physiotherapie. Anhand von Videos veranschaulichte er, welche Übungen zum Trainieren der Steigbügel-Muskulatur geeignet sind.

Behandlung der Sprunggelenkarthrose

Prof. Dr. Hans Polzer, Facharzt für Orthopädie, Standortleiter Innenstadt, Leiter Fuß und Sprunggelenk, MUM – Muskuloskelettales Universitätszentrum München, referierte zum Thema „Arthrodese des Sprunggelenkes“. Eine Arthrodese ist eine operative Gelenkversteifung und wird bei einer fortgeschrittenen Arthrose des Sprunggelenkes empfohlen. Das versteifte Gelenk ist dadurch belastbar und – im Idealfall – schmerzfrei.

In seinem Vortrag hob Hans Polzer die Bedeutung der optimalen Positionierung der Arthrodese hervor: „Diese ist essenziell, um ein gutes Ergebnis zu erreichen“, so der Facharzt. Wenn möglich, solle der Eingriff minimalinvasiv durchgeführt werden, da dadurch Komplikationen reduziert und tendenziell ein besseres Ergebnis erreicht werden könne. Darüber hinaus stellte er klar, dass es keinen eindeutigen Beleg für einen Zusammenhang zwischen der Arthrodese und einer Anschluss-Arthrose gebe. Eine Arthrodese führe aber reproduzierbar zur Schmerz-Reduktion und verbessere das Gangbild nachhaltig.

Korrektur der Klumpfüße nach Ponseti

In ihrem Workshop demonstrierte Dr. Ute Brückner, Fachärztin und Oberärztin Orthopädie, Universitäts-Kinderspital beider Basel (Schweiz), die Ponseti-Methode bei Kindern mit Klumpfuß. Diese Behandlung umfasst eine Gipsredression, eine Achillessehnen-Tenotomie (Durchtrennung der Achillessehne), die mehrjährige Behandlung mit der Fuß-Abduktionsschiene und Langzeit-Kontrollen zum Rezidiv. Ute Brückner hob hervor, dass sich diese Methode als sanfte Methode zur Behandlung von Klumpfüßen bewährt habe. Darüber hinaus erziele die Ponseti-Methode eine bessere Beweglichkeit des Sprunggelenks und verringere die Indikationen für weitere Operationen.

Bedeutung der manuellen Diagnostik

Dr. Stephan Biesenbach, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, ärztliche Leitung, Medifit GmbH, Schwelm, brachte den Teilnehmern die manuelle Diagnostik am Beispiel des juvenilen Rückfußes näher. „In einer Zeit, in der den Möglichkeiten technischer Diagnostik starkes Vertrauen entgegengebracht wird, verliert die Diagnostik und Therapie mit der Hand immer mehr an Bedeutung. Gewebsreaktionen wie Temperaturveränderungen, Gewebespannung und Trophik der Haut sind für bildgebende Verfahren nicht erkennbar. Erst der manuelle Untersuchungsbefund ermöglicht eine vollständige Bewertung von Anamnese und Befunden. Deshalb ist es mir ein Anliegen, Untersuchungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die Scheu vor der Komplexität der Fußanatomie zu nehmen.“

Standardisierter Versorgungsweg

Am zweiten Tag des Symposiums erläuterte Tino Sprekelmeyer, Orthopädieschuhmachermeister aus Osnabrück, einen standardisierten Versorgungsprozess von der Verordnung bis zur finalen Schuheinlage. Er erklärte, welche Patienteninformationen für die Versorgung wichtig sind, und stellte seinen Befundbogen vor. Auch in der Orthopädie-Schuhtechnik sei die Anamnese essenziell: Neben einem ausführlichen Gespräch sollte immer die Beweglichkeit der Füße sowie die Fußfehlstellung überprüft und die Beschwerden der Patienten erhoben werden. Hierzu stellte Tino Sprekelmeyer verschiedene spezifische Tests vor wie den Single-Heel-Rise-Test, der Rückschlüsse auf den Zustand der Tibialis-posterior-Sehne ermöglicht.

Zusätzlich ging er auf unterschiedliche Abdruckverfahren ein wie den Blau- und Schaumabdruck. Auch die Vorteile einer Gangbild- und Statik-Überprüfung betonte der Orthopädieschuhmachermeister – durch den Einsatz von Messsystemen sei die Versorgung mit Einlagen optimierbar. Wichtig: die Versorgungsziele zu definieren und einzuhalten – und die passende Einlage dazu auszuwählen. Nach der Anprobe und Passformkontrolle müsse immer überprüft werden, ob das Versorgungsziel erreicht wurde. Daher empfiehlt Tino Sprekelmeyer nach der Abgabe der Einlage eine Nachkontrolle, um eventuelle Anpassungen vorzunehmen. Durch einen geregelten, standardisierten Versorgungsprozess könne die Versorgungsqualität verbessert und gesichert werden.

Foto: Medi GmbH
Tino Sprekelmeyer, Orthopädieschuhmachermeister aus Osnabrück, erläterte einen standardisierten Versorgungsprozess von der Verordnung bis zur finalen Schuheinlage.
Foto: Andrey Popov/Adobe Stock
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